Sturm im Hafen: Warum die beste Sturmsicherung beim Nachbarboot anfängt

Der Herbst zeigt sich von seiner ungemütlichen Seite. Der Blick auf die aktuellen Wetterberichte und Apps wie Windfinder und PredictWind lässt keinen Zweifel: Ein handfester Sturm zieht auf, und die Ausleger in unserem Heimathafen Warns werden in den kommenden Stunden ordentlich strapaziert.


Für uns bedeutet das: Landleinen kontrollieren, Fender optimieren und das Schiff absolut sturmfest machen. Wer sein Boot liebt, sichert es rechtzeitig – aber wer ein guter Stegnachbar sein will, blickt dabei über die eigene Bordwand hinaus.


Die Krux mit dem Wasserpegel: Bloß nicht aufhängen!
Das IJsselmeer hat zwar keine klassischen Gezeiten wie die Nordsee, aber unterschätzen darf man den Wasserpegel hier niemals. Bei starkem, anhaltendem Wind aus einer Richtung kommt es zum sogenannten Windstau – das Wasser wird sprichwörtlich weggedrückt oder aufgepeitscht. Sinkt der Pegel im Hafen plötzlich, wird eine zu kurz und stramm gesetzte Leine zur tödlichen Falle. Das Boot kann sich regelrecht an den Klampen aufhängen, extreme Krängung bekommen oder im schlimmsten Fall die Beschläge aus dem Deck reißen.

Unsere Regel für die Ohana: Die Leinen brauchen bei aufziehendem Sturm genügend Länge (besser über Kreuz als Spring legen), um das Sinken des Bootes auszugleichen, dürfen aber gleichzeitig nicht so viel Lose haben, dass die Yacht Fahrt aufnimmt und ungebremst in den Steg knallt. Ruckdämpfer in den Festmachern sind hier Lebensretter für das Material.


Acht geben auf die Nachbarn: Fender auf Lücke
Ein Sturm im Hafen ist Teamsache. Es nützt überhaupt nichts, wenn die Ohana perfekt vertäut ist, aber der Nachbar an unseren Rumpf schlägt. Deshalb gilt beim Rundgang vor dem Sturm immer der Blick nach links und rechts:


• Fender-Höhe abgleichen: Hängen unsere Fender auf derselben Höhe wie die des Nachbarbootes? Wenn ja, können sie bei starkem Schwell übereinanderklettern und die Rümpfe schlagen ungeschützt aneinander. Wir setzen unsere Fender „auf Lücke“ und sichern kritische Punkte zusätzlich.

• Masten versetzen: Liegen zwei baugleiche Schiffe direkt nebeneinander, sollten die Leinen so variiert werden, dass die Masten nicht exakt auf einer Höhe liegen. Wenn die Yachten im Sturm anfangen zu rollen, schlagen sonst die Salinge ineinander.


• Fremde Leinen kontrollieren:
Sieht eine Leine beim Nachbarn gefährlich geschamfilt (durchgescheuert) aus? Dann legen wir im Zweifel eine Sicherheitsleine nach oder informieren den Hafenmeister.
Die Festmacher sind verdoppelt, die Segel extra fest gezurrt, die Luken dicht. Jetzt heißt es abwarten und den Wind in den Wanten pfeifen lassen.


Bleibt sicher im Hafen und passt auf eure Stegnachbarn auf!


Eure Crew der SY Ohana

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